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Amphorenweine aus Zyperns Bergen

Auf vielen Kurven nach Farmakas

Während unseres Zypernurlaub haben wir den kurvigen Weg von Limassol nach Farmakas zur Santa Irene Winery auf uns genommen, um dessen Weine zu probieren. Der Winemaker Evangelos hat uns freundlich in Empfang genommen und zunächst eine Kellerführung angeboten. Die Vorstellung des Weinguts begann mit den Worten „This is more or less an ordinary Winery – nothing special…“. Eine kaum zu unterbietende Tiefstapelei, wie sich schon kurz darauf zeigen sollte. 

Fast vergessene Tradition auf Zypern: Amphorenwein

Auf dem Weg durch die Edelstahltanks „störten“ wir gerade den Ansatz des neuen Granatapfel-Cidre und gelangten in den Raum mit den weiteren, typischen Gerätschaften für die Weinerzeugung. In einer Ecke entdeckte ich eine Kupfer-Destille, was mein altes Chemiker-Herz gleich höher schlagen lies.Damit wird hier ein köstlicher und milder Tresterbrand erzeugt.

Eher beiläufig standen auch drei Amphoren aus Ton herum. Da war mein Interesse geweckt, weil ich je gerade in der letzten Podcast-Episode (WVLG029) Amphorenweine besprochen habe. Etwas nachgebohrt stellte sich heraus, dass die Produktionsmethode in dieser Ecke Zyperns Tradition ist und sehr stark an die Qvevri-Technik aus Georgien erinnert; allerdings werden sie hier nicht (mehr) immer in die Erde vergraben. In der Santa Irene Winery entstehen meines Wissen die einzigen Amohorenweine Zyperns aus den beiden autochthonen Rebsorten Xinisteri (weiß) und Mavro (rot – ca. 90% der 20 ha). Die Rebanlagen sind teilweise sehr alt (bis zu 150 Jahre), was u. a. zu einem sehr geringen Ertrag von nur etwa 20hl/ha führt. Ein deutlicher Hinweis an den Qualitätsanspruch dieses Erzeugers ist. 

Fokussierung: Wein-Portfolio aus wenigen Rebsorten

Die Produktpalette ist überschaubar und fokussiert auf die beiden eben genannten zypriotischen Rebsorten. Bei dem Weißwein macht sich die Beimengung von 10% Amphorenweine deutlich positiv bemerkbar, weil es dem Wein Komplexität und Struktur verleiht. Der Xinistery-Weißwein VOUNOPLAGIA wird für 6,50€ ab Hof verkauft, was ein unglaubliches Preis/Qualitätsverhältnis darstellt. Das allgemein geringe Preisniveau ist m. E. unbegründet und Evtl. der kleinen Produktion sowie die Ausrichtung ausschließlich auf den Binnenmarkt geschuldet. Die rote Rebsorte Mavro scheint ein sehr universell einsetzbar zu sein. Aus ihr lassen sich sowohl frische, strukturierte Roséweine, leichte, säurebetonte Sommerweine als auch kräftige, im Holzfass ausgebaute Rotweine bereiten.

Bärendienst bei der Aufnahme in die EU

Eine Schande, dass die EU zum Eintritt Zyperns in die EU weitläufige Rodungen der Weinberge verlangte, was den Erhalt der Tradition und einiger selten gewordener Rebsorten stark gefährdet. Leider zum Nutzen der größten Weinbauländern mit ihren allgegenwärtigen, nichts sagenden Massenweinen. Kleine regionale Spezialitäten werden zu Gunsten der großen Hersteller geopfert. Somit gehen nicht nur uralte Rebanlagen verloren, sondern auch das Wissen über ihre Eigenheiten und auch werden traditionelle Methoden durch optimierte, technische Verfahren ersetzt.

Alte Reben? Hier stimmt das Label!

Nach dem Tasting ging es noch bei 37 Grad über staubige Pisten zu den steilen Rebanlagen, die keinerlei maschinellen Einsatz zulassen. Die Weinberge gehen bis auf eine Höhe von über 1.300 m über NN. hinaus, wo es sogar manchmal  schneien kann – wenn auch nur sehr selten. Dort oben sinkt natürlich die Durchschnittstemperatur etwas (und die Tag-Nacht-Schwankung). Dafür wehen dort deutlich kräftigere Winde. Bei den grundsätzlich sehr geringen Niederschlagsmengen im Sommer birgt dieses Klima eine echte Herausforderung in Sachen Wasserversorgung, obwohl das Gestein auf Zypern gute Wasserspeicherfähigkeiten besitzt. Trotz allem wird bei Santa Irene nicht bewässert. Ein “Luxus”, den man sich nur leisten kann weil die Stöcke gut und gerne im Schnitt 100 Jahre alt sind. Ein wahrer Schatz mit Seltenheitswert. Das zusammen mit der Grünlese und Selektion im Weinberg führt zu einer hohen Konzentration und Reifung der Reben, was man den Weinen anmerkt.

Santa Irene Winery ist ein Geheimtipp

Alles in allem ist für mich die Santa Irene Winery ein echter Geheimtipp auf Zypern. Die Amphorenweine sollen weiter ausgebaut werden. Mit zunehmender Erfahrung bzgl. der Weinberge von Evangelos und seinem Team werden die Weine noch mehr an Qualität zu legen. Und wer weiß? Vielleicht schaffen die Weine ja den Sprung dann aufs europäische Festland.

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